Steckbrief
Marke/Herstellerland
Typ
Baujahr
Karosserie
Abmessungen
Plätze
Leergewicht / Gesamtgewicht
Treibstoff
Zylinder
Hubraum
Leistung
Höchstgeschwindigkeit
Antrieb
Getriebe
Halter
Morgan / United Kingdom
+8
1976
Roadster
Länge 374cm / Breite 257cm / Höhe 132cm
Total: 2
830 Kg / 1100 Kg
Benzin
V8
3532 ccm
157 PS
197 km/h
Hinterrad
5 Gang
Ueli Wyssen
Restauration
Wie kommt man überhaupt auf die Idee einen Morgan +8 zu kaufen? Anfang der siebziger Jahre las ich in einer Autozeitschrift den Bericht über einen englischen Neuwagen namens Morgan +8. Es war mir sofort klar, dass ich einmal einen solchen Wagen besitzen müsste.
Der Weg führte über Jahre und mehrere kleinere Modelle 4/4. Gut in Erinnerung bleibt beim ersten Kauf der extrem starke Kaffee, welcher mir der Vorbesitzer, ein Hochschulprofessor, anbot. Dagegen ist ein Red Bull Kamillentee. Rückfahrt bei minus 10 Grad offen. Seither weiss ich warum man sagt, es sei «cool» einen Roadster zu fahren.

Um das Jahr 2000 rief mich ein befreundeter Garagist aus dem Welschland an, es sei ein +8 mit etwas Arbeit zu verkaufen. Ich machte mich sofort auf den Weg, um mir meinen Traum zu erfüllen. Der Besitzer war für längere Zeit auf den Philippinen, habe ihn also nie gesehen und den Kauf schriftlich abgewickelt. Beim Aufladen auf den Hänger fiel mir auf, dass das Lenkrad auf der rechten Seite war, was eigentlich für einen Englandimport normal ist. Für mich aber nicht, deshalb wurde das im Zuge der Restauration geändert. Das bisschen Arbeit erwies sich als komplette Frame off Restauration.

Chassis sandgestrahlt, grundiert und gestrichen. Richtig gelesen, mit Pinsel und Farbe, so wurde es damals im Werk gemacht und ich bin auch Fan von dicken Farbschichten und nicht von einem Farbnebel.
Die Holzstruktur bedurfte auch einer grösseren Revision. Schon speziell, wenn man für das benötigte Material für ein Auto zum Schreiner geht. Meine Wagnerarbeiten waren anspruchsvoll, sägen, hobeln, schleifen, anpassen… sägen hobeln, schleifen… Am Schluss alles gegen Holzwürmer, Pilze und Fäulnis behandeln. Was damals im Werk nicht gemacht wurde. Peter Morgans Spruch lautete: «Meine Autos halten auch 10 Jahre genau wie die Anderen. Wieso sollten meine länger halten»
Die Blecharbeiten waren umfangreich, vor allem die Umbauarbeiten von rechts auf links Lenkung und natürlich das Ersetzen der Rostlöcher durch neues Blech. Bei den Kotflügeln wurde ein pensionierter Carrosseriespengler beigezogen. Die spezielle Konstruktion, blankes Blech um einen blanken Stahldraht zu bördeln, wie original, wurde verbessert, indem alles zuerst grundiert und gut abgedichtet wurde. Die Lackierung der einzelnen Komponenten übernahm ein Autolackierer in Frutigen, denn diese Arbeit braucht einen Fachmann mit Einbrennkabine.

Die englische Elektrik hat keinen besonders guten Ruf «Lukas, Gott der Dunkelheit». In Tat und Wahrheit ist das gar nicht so schlimm. Den Kabelbaum habe ich ausgemessen und festgestellt, dass eigentlich nur die Stecker Grund für Ausfälle sind. Alle Stecker ersetzt, verlötet und durch Schrumpfschlauch geschützt, hat sich bewährt seit über 20 Jahren.
Die Vorderachse ist eine Konstruktion von 1907, gemacht für leichte Dreiräder, wurde so auch bis ins 21. Jahrhundert verbaut. Beim Überholen liegt die Schwierigkeit im Einpressen und Ausreiben der neuen Bronzebuchsen auf das Sollmass. So eine stufenlos verstellbare Reibahle konnte ich im BLS Lokdepot ausleihen und gehört aber mittlerweile zum «Familienwerkzeug».

Für das Aufarbeiten der Sitze und des Interieurs fragte ich einen befreundeten Sattler um Hilfe. Der meinte, du brauchst zwei Kühe. Was soll ich denn mit zwei Kühen, aha er meinte das Leder von zwei Kühen. Die Sitze wurden aufgepolstert, neue Bezüge genäht und die Seitenpanos neu bezogen und sogar bestickt.
Diesen Morgan fahre ich nun schon fast 25 Jahre und bin, wie es bei einem englischen Auto üblich ist, immer nach Hause gekommen. Nicht immer ohne Panne, da fiel halt mal die Bremse aus oder es waren nur noch zwei Gänge verfügbar oder die Wasserpumpe leckt, aber man bleibt immer mobil.
Was er gar nicht gut verträgt ist Kolonnenfahren und hohe Temperaturen, trotz Modifikationen wie Expansionsgefäss, elektrischen Zusatzlüfter und Frischluftleitungen. Dampfblasenbildung in den Vergasern ist manchmal der Auslöser für eine längere Kaffeepause. Alternativ habe ich auch schon ein Sechserpack Mineralwasser im nächsten Laden gekauft und den Inhalt über die Vergaser gegossen, sehr zum Erstaunen der Zuschauer.
So hat ein simpler Bericht in einer Zeitschrift doch einen grossen Teil meines Lebens beeinflusst und ich denke meine Begeisterung für den Morgan +8 geht noch einige Jahre weiter.
Quelle: ROSCHT POSCHT 1/2026
Text und Bilder: Ueli Wyssen
